Jesus aus der Box

Das junge Paar liebt die Nebensaison. Während die beiden das gesamte Jahr über praktisch abgetaucht sind, treten sie spätestens am ersten Advent wieder in Erscheinung. Und das nicht allein. Sie bringen ihr Baby mit und werden begleitet von Schafen und Eseln. Es ist Krippenzeit auf Mallorca, denn Weihnachten ist nicht mehr weit. Und alljährlich erwartet Maria, Josef und den neugeborenen Jesus an verschiedenen Orten Mallorcas ein wirklich großer Bahnhof.

Alles muss stimmig sein

So auch an diesem Tag in La Misericòrdia von Palma de Mallorca. Die drei Damen der Vereinigung Betlemistes de Mallorca tun alles, damit der Rahmen und die Szene stimmig sind. Tische und Stühle sind übersäht mit bunten Kisten, es riecht nach Leim und Farbe, kleine und etwas größere Holzhäuser stehen in Teilen herum, und die Modelllandschaft hinter den ausgesparten Fenstern der Front erhält ganz langsam ihre Form. Es wird gehämmert und gebohrt, denn neben der Szene muss schließlich auch die Technik eingerichtet werden.

„Der Kreativität bei der Gestaltung unserer Krippen sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Margarita Bover, die Präsidentin der Krippenbauer auf der Insel. Insgesamt 20 Aktive gestalten alljährlich die zahlreichen Weihnachtskrippen in Palma, Consell, Deià, Maria de la Salut, Sóller und Santa Maria del Camí. Es sind Kunstwerke, die mit ihren liebevoll bemalten Figuren und einem naturgetreuen Aussehen von Dörfern, Plätzen, Meer und Bergen immer wieder große und kleine Besucher in ihren Bann ziehen.

Miniaturwelt auf 40 Quadratmetern

Zehn Tage dauert allein der Aufbau der Krippe in La Misericòrdia. Verständlich, denn das Modell umfasst rund 40 Quadratmeter. Die eigentliche Krippe, in der später die Geburtsszene präsentiert wird, befindet sich in einer nachgebildeten Tropfsteinhöhle. Die Felsen bestehen aus Styropor und Kork, Wassertropfen werden aus einem besonderen, vorher erhitzten Gel an die künstlich geformten Stalagtiten gesetzt. Margarita setzt vorsichtig Josef und Maria, die Jesus im Arm hält, auf einen Felsen. „So wird das später aussehen“, sagt sie stolz mit kritischem Blick auf die Szene.

Auch bei den mallorquinischen Krippenbauern gibt es eine besondere Figur, die alljährlich vor allem bei Kindern auf großes Interesse stößt. Es ist ein Eremit, der irgendwo in der Landschaft steht und vom Betrachter entdeckt werden muss. „Wir haben uns für den Eremiten entschieden, um damit ein wenig die Ruhe und den Frieden einer Krippenlandschaft zu betonen“, sagt Margarita. Im Jahre 2001 wurde die Vereinigung Betlemistes de Mallorca gegründet. Wenn nicht gerade Weihnachten ist, pflegen die Mitglieder die verschiedenen Krippenteile, reparieren und kümmern sich, nicht zuletzt, um Verbesserungen. Für die haben sie nämlich ein offenes Ohr. „Am Eingang zur Krippenlandschaft befindet sich ein Kasten, in den die Besucher ihre Vorschläge für das nächste Jahr werfen können“, erklärt uns Margarita. Vergangene Weihnachten sei kritisiert worden, dass die Fenster zur Szene für Rollstuhlfahrer und auch Kinder zu hoch seien. Das habe man in diesem Jahr geändert. Und so können wir Weihnachten entspannt entgegensehen. Und einmal abtauchen in die Welt der Weihnachtskrippen auf Mallorca.