Die letzte Reise der kleinen Niki

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Die insolvente, österreichische Fluggesellschaft Niki und der spanische Billigflieger Vueling haben aktuell so wenig miteinander zu tun, wie Lufthansa und Air Berlin vor der Pleite der Letzteren. Die jetzt beschlossene Übernahme durch die IAG könnte das endgültige Ende für Niki bedeuten.

Glaubt man in diesen Tagen lokalen, mallorquinischen Medien, ist der Deal bereits perfekt und die Übernahme von Niki durch die spanische Vueling beschlossene Sache. Leider funktionieren Übernahmen, auch und gerade in der Luftverkehrsbranche, nicht ganz so einfach, wie man es sich vorstellt und angesichts der prekären Lage bei Mallorcaflügen erhofft. Bleiben wir also bei der Realität.

Vueling wenig kaufberechtigt

Vueling ist als Tochter eines der größten Luftfahrtkonzerne der Welt, der spanisch-britischen Holding International Airlines Group (IAG), wenig entscheidungs- und kaufberechtigt. Sie ist nicht mehr als Teil eines riesigen Netzwerkes von Global Playern, das aus internationalen Carriern, wie beispielsweise British Airways und Iberia besteht. Vueling selbst war eine Investorenidee, an der auch die US-amerikanische JetBlue beteiligt war. Erst 2013 übernahm die bereits genannte IAG über 90 Prozent der Anteile an Vueling und damit deren Mehrheit.

Rolle Mallorcas nicht bekannt

Wer eins und eins zusammenzählt, erkennt bereits jetzt, dass nicht Vueling der Käufer von Niki sein kann, sondern lediglich der Mutterkonzern IAG. Dieser will – und das ist bislang der einzige Bezug zu Niki – große Teile des österreischen Pleitefliegers übernehmen. 20 Millionen Euro will IAG für diesen Coup investieren – also gerade einmal etwas mehr als die Hälfte des eigentlichen Kaufpreises von 36,5 Mio. Euro. Dafür sollen „große Teile des Geschäftsbetriebes“ von Niki übernommen werden, erklärte ein Sprecher. Diese würden „perfekt in die Strategie von Vueling passen“, freute sich am Samstag IAG-Boss Willie Walsh. Wie diese Strategie allerdings aussieht, und welche Rolle Mallorca dabei spielt, darüber weiß aktuell niemand Genaueres.

Österreichisches Wirtschaftsasyl

Auch der Kauf selbst ist komplizierter, als viele denken. Offenbar möchte die IAG einer möglichen Ablehnung der EU-Wettbewerbsbehörde zuvor kommen und greift zu einem unternehmerischen Trick: Der Spanier Vueling bittet um österreichisches Wirtschaftsasyl. Soll heißen: Nicht Vueling, sondern deren noch zu gründende, österreichische Tochter soll den Kauf abwickeln. Hoffnung für die Belegschaft: So können 740 der insgesamt 1.000 Mitarbeiter übernommen werden.

Besonders interessant bei der Übernahme sind für IAG aber weniger die Jobs, sondern die Start- und Landerechte. Bei diesen spielt Palma de Mallorca zwar eine Rolle, aber eben nicht die Hauptrolle. Denn Niki war vor allem auf den wichtigen Drehkreuzen Wien, Zürich, Düsseldorf und München präsent. Insbesondere an den letzten beiden hat Vueling großes Interesse, gehören die Destinationen doch längst zum Portfolio der Spanier mit ihrem Heimatflughafen Barcelona.

Ende von Niki als Ganzes

Niki-Betriebsratschef Stefan Tankovits sieht den Verkauf der Niki an den britisch-spanischen Luftfahrtkonzern IAG überaus positiv. Befürchtungen des Airline-Gründers Niki Lauda, „seine“ Fluglinie könne damit zerschlagen werden, erteilte er eine deutliche Absage. Wertet man die bisherigen Unternehmenspläne allerdings sachlich aus, ist das Ende von Niki als Ganzes näher denn je. (Bild: AFP)