Mallorca Open – Siegemund fällt verletzt aus

Zweite Auflage des WTA-Turniers dennoch mit Weltklasse-Spielerinnen

Es hätte ihre Vorbereitung für Wimbledon werden sollen. Laura Siegemund, die aktuelle Platz 32 der Weltrangliste im Damen-Tennis, wollte ihre Erfolgsserie bei den „Mallorca Open“ fortsetzen. „Ich hatte mich schon so darauf gefreut. Und dann passiert das!“ Ende Mai verletzte sich Siegemund beim WTA Turnier in Nürnberg – Diagnose Kreuzbandriss. Die Saison ist somit für sie gelaufen. „Aber ich bin guten Mutes, dass ich bald wieder auf dem Platz stehe.“

Nur wenige Tage zuvor hatte sie im Interview mit dem Inselmagazin Mallorca über das im Juni anstehende „Mallorca Open“ gesprochen.

Mallorca müsste für Sie eine besondere Bedeutung haben – immerhin haben Sie hier im Jahr 2008 Ihren ersten ITF-Titel (International Tennis Federation) gewonnen. Welche Beziehung haben Sie zu der Insel?

Das ist nun wirklich schon sehr lange her, eine gefühlte halbe Ewigkeit (lach). Aber natürlich, der erste Titel bleibt immer etwas ganz besonderes. Ich habe als Jugendliche einige Turniere hier gespielt und verbinde mit Mallorca nur schöne Erinnerungen.

Steht – neben dem Sport – auch ein wenig Freizeit an, die Insel zu erkunden? Was kennen Sie schon von Mallorca und was möchten Sie gerne einmal sehen?

Als Jugendliche habe ich in Cala Ratjada gespielt. Hier bin ich abends mit meiner Mutter gerne Essen gegangen, direkt am Wasser. Ansonsten ist – wenn man ein Turnier spielt – freie Zeit ein knapp bemessenes Gut. Zumal man ja auch keine Aktivitäten unternehmen kann, welche die Leistungsfähigkeit negativ beeinträchtigen könnten. Und da ich auch in meiner Freizeit ein sehr aktiver Mensch bin, fallen zum Beispiel Wanderungen oder Radtouren leider aus. Obwohl ich mir am liebten einmal ein Fahrrad leihen würde, um die wundervollen Landschaften von Mallorca zu erkunden. Auch Palma würde ich mir gerne anschauen – bisher hat es immer nur zum Transfer vom Flughafen zu den Sportstätten gereicht.

Sie sind auf Turnieren weltweit vertreten und dadurch häufig auf Reisen. Wie schafft man es, ein bisschen „Heimatgefühl“ mitzunehmen?

Bereits als Kind war ich durch den Beruf meines Vaters häufiger im Ausland. Ich liebe das Reisen! Doch spielt man Profiturniere kann es schon sehr anstrengend sein, andauernd unterwegs zu sein. Meine Heimat ist die Stuttgarter Gegend, hier habe ich meine Wurzeln; meine Familie, meine Freunde. Dank der neuen Medien fällt es natürlich leichter, durch Skype oder Whatsapp in Verbindung zu bleiben. Dennoch vermisst man sein Zuhause natürlich schon. Daher versuche ich immer, auch durch kleine Dinge ein Stück Heimatgefühl mitzunehmen: Ich bin leidenschaftliche Teetrinkerin und nehme mir auf Reisen immer meine aktuelle Sorte mit.

Mit 12 Jahren haben Sie das bedeutendste Nachwuchsturnier, den Orange Bowl gewonnen. Kurz zuvor hatte Steffi Graf ihren Rücktritt verkündet und die deutsche Presse betrachtete Sie schon als „Tennis-Fräulein-Wunder“. Doch dann blieben die großen Erfolge aus – war der Druck zu groß?

Ich habe mich niemals als Nachfolgerin von Steffi Graf gesehen, dazu sind wir auch viel zu unterschiedlich. Damals wurde jede talentierte Nachwuchsspielerin als „Tennis-Fräulein-Wunder“ von der Presse gehandelt. Und so wurde auch ich von außen tituliert, ohne mich selbst jemals so bezeichnet zu haben. Und wenn dann eine Karriere nicht ganz gradlinig verläuft, ist es für Journalisten natürlich eine gefundene Story, einen solchen Zusammenhang herzustellen. Dabei waren es bei mir andere, verschiedene Faktoren, die mich auf dem Platz beeinträchtigt hatten. So habe ich mir selber im Weg gestanden und konnte mein Potenzial nicht völlig ausschöpfen.

Sie hatten bereits überlegt, die Profikarriere an den Nagel zu hängen; studierten Psychologie an der Fernuniversität Hagen. Ihre mit 1,3 benotete Bachelorarbeit „Versagen unter Druck“ – ein Stück Aufarbeitung des eigenen Lebens? Und der Weg zurück auf den Platz?

Ich habe Allgemeine Psychologie studiert, durfte aber dennoch ein sportpsychologisches Thema wählen. „Versagen unter Druck“ fand ich interessant, da es jeder Sportler, ob Profi oder Hobby, nachvollziehen kann. Aber auch abseits des sportlichen Lebens kennt man doch das Nervenflattern, zum Beispiel wenn man eine Rede halten soll. Doch als Aufarbeitung meines Lebens – nein, diese Arbeit hat keinen persönlichen Bezug.

Ihre mentale Stärke beeindruckt nicht nur Bundestrainerin Barbara Rittner. Was ist Ihr Geheimrezept?

Das ist ein schönes Kompliment von Barbara, über das ich mich sehr gefreut habe. Aber mein Geheimrezept? Das verrate ich nicht (lach). Quatsch – wenn man mental gefordert ist, ist es wichtig Strategien zu finden, um sich auf das wesentliche zu konzentrieren. Dennoch ist man nicht davor geschützt, auch Fehler zu machen. So ist es jedes Mal eine Herausforderung. Wenn man aber diese meistert, ist man in der Lage ein Match auch in schwierigen Situationen noch zu drehen.

Es ist bereits die zweite Auflage von „Mallorca Open“. Doch im Vergleich zum vergangenen Jahr fehlen dieses Mal Namen aus der Top Ten Liste. Trotzdem eine gute Vorbereitung für Wimbledon?

Natürlich wäre eine Top-Ten-Besetzung schöner gewesen, keine Frage. Trotzdem sehe ich Mallorca Open als sehr gute Vorbereitung an, denn die Location ist hervorragend und vor allem – die Rasensaison ist sehr kurz, daher ist jedes Turnier auf diesem Belag eine willkommene Probe für Wimbledon.

Turnierdirektor ist Toni Nadal, der Onkel des Weltklasse-Spielers Rafael Nadal. Rafael war auch unter den Zuschauern, als Sie vergangenes Jahr nach dramatischem Zweikampf den Sprung ins Viertelfinale knapp verpasst haben. Konnten Sie ihn bereits persönlich kennenlernen?

Toni konnte ich vergangenes Jahr persönlich kennenlernen. Wir haben uns ein wenig ausgetauscht und er ist ein sehr sympathischer Mensch. Rafael konnte ich bisher noch nicht persönlich kennenlernen, dazu gab es keine Gelegenheit. Zu mehr als einem „Hallo“ wenn man sich auf Turnieren trifft hat es noch nicht gereicht.

Mit welchen Erwartungen gehen Sie im Juni ins Turnier? Welche Platzierung bewerten Sie als Erfolg?

Ich bin kein endergebnisorientierter Mensch, der denkt „Ich muss jetzt gewinnen“. Im Vordergrund steht bei mir bei jedem Turnier, meine spielerischen Aufgaben, die ich mir im Training gesetzt habe, im Wettkampf umzusetzen. Beim Mallorca Open wird dies vor allem der Wechsel von Sand- zu Rasenspiel sein. Meine persönliche Weiterentwicklung ist mir wichtiger als die Platzierung. Damit bin ich auch in der Vergangenheit immer gut gefahren.

 

INFO – Das Turnier
Die ganze Tenniswelt schaut nach Mallorca, wenn vom 18. bis 25. Juni hier die zweite Auflage des WTA-Turniers „Mallorca Open“ ausgetragen wird. Mit Victoria Azarenka und Sabine Lisicki haben sich über eine Wildcard kurzfristig auch zwei Top-Spielerinnen angemeldet.

Die 3.000 Sitzplätze im Centre Court am Santa Ponça Country Club werden gut gefüllt sein. Ist die Weltspitze des Damen-Tennis im Vergleich zum Vorjahr zwar nicht gelistet, konnte Turnierdirektor Toni Nadal mit der Rückkehr zweier Top-Spielerinnen auf den Platz eine kleine Sensation verkünden. Die Weißrussin Azarenka feiert ihr Comeback nach ihrer Babypause und die Deutsche Lisicki bestreitet ihr erstes Turnier nach längerer Verletzungspause. „Ich habe von den tollen Bedingungen beim Rasenturnier auf Mallorca gehört, das ist für mich sicher die beste Vorbereitung auf Wimbledon“, so die einstige Nummer Eins der Weltrangliste Azarenka. Und auch die 27-jährige Lisicki betont: „Es freut mich, dass ich mein erstes Turnier in diesem Jahr auf Mallorca spiele, ich habe mich im vorigen Jahr bei den Mallorca Open in Santa Ponça sehr wohl gefühlt“.

Wer live dabei sein möchte, kann online Eintrittskarten erwerben (www.mallorcaopen.org). Die Anfangszeiten der Spiele des mit 250.000 $ dotierten Turniers variieren an den verschiedenen Spieltagen. Die Preise der günstigsten Tickets liegen zwischen 30 und 60 Euro (Finalwochenende).