Mallorquinische Handarbeit: Öko-Boote aus Hanf

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Rudern statt rauchen

Es ist eigentlich eine blöde Frage. Dennoch hat Matteo Ciganeiro sie in den vergangenen Wochen und Monaten des Öfteren gestellt bekommen. „Nein, man kann mein Boot nicht rauchen“, antwortet der Italiener. Auch wenn der Rumpf seiner handgefertigten „A-Mare“ zum großen Teil aus Hanf besteht. Der Pflanze also, aus der bekanntlich das Rauschmittel Marihuana gewonnen wird.

Filigranes Skelett aus Fichtenholz

Auf die Idee, pflanzliche und damit gleichzeitig nachhaltige Werkstoffe für den Bau eines Bootes zu verwenden, kam der gelernte Schiffszimmerer während seiner Ausbildungszeit in seinem Heimatort zwischen Venedig und Triest. „Für den Bau und die Restaurierung klassischer Holzyachten kommen heutzutage leider immer mehr Chemikalien zum Einsatz. Das war der Ausgangspunkt für mich, ein eigenes Boot zu entwerfen“, sagt Ciganeiro. Nach weiteren Lehrjahren bei Schiffszimmerern und Yachtrestaurateuren in Frankreich und Spanien zog der Italiener vor sechs Jahren in Palmas ehemaliges Fischerviertel El Molinar, wo er mit der Umsetzung seiner Bootsbaupläne begannt. „Als Design-Vorlage dienten mir die klassischen Rettungsboote, die noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts an vielen Küsten Nordeuropas eingesetzt wurden.“ Doch statt eines konventionellen Rumpfes aus groben Holzspanten, deren Fugen am Ende mit Teer wasserdicht verklebt werden, entwarf der Italiener ein filigranes Skelett aus leichtem Fichtenholz, das über den eigentlichen Spantenrumpf montiert wird. „Für die Rumpfhaut bestellte ich mir aus Italien ein spezielles Hanftuch, das ich über das Außenskelett spannte“, erklärt Ciganeiro. Um das Boot wasserdicht zu bekommen, verwendete der Italiener ein spezielles Bio-Harz, das in mehreren Lagen auf den Hanfstoff aufgetragen wird.

Wasserdicht und flexibel

„Der gehärtete Bio-Harz macht den Rumpf zum Teil lichtdurchlässig, was dem Boot ein ganz besonderes Aussehen verleiht“, schwärmt der Italiener. Tatsächlich hat man den Eindruck, dass die „A-Mare“ einer schwimmenden China- Lampe aus Reispapier gleicht. Doch der zerbrechliche Eindruck täuscht. „Die Hanfhaut ist nicht nur vollkommen wasserdicht, sondern auch flexibel, was sie gegen leichte Stöße schützt“, sagt Ciganeiro. Einen Zusammenstoß mit einem anderen Schiff oder gar einen Felsen sollte man allerdings tunlichst vermeiden.

Die knapp vier Meter lange „A-Mare“ war anfangs als Ruderboot für Angel- oder Familienausflüge konzipiert. Platz ist für drei Erwachsene an Bord. Vor wenigen Wochen verpasste Ciganeiro seiner Erfindung jedoch noch zwei Masthalterungen. Somit kann das Boot auf Wunsch auch gesegelt werden. Getestet hat Ciganeiro die „A-Mare“ zudem mit einem elektrischen Außenbordmotor. Auch dabei gab es keine Probleme.

Leichter Transport und gutes Beiboot

„Dank der soliden Rumpfbreite liegt das Schiff sehr sicher im Wasser. Um es umzukippen, muss man sich schon anstrengen“, sagt Ciganeiro. Er hofft, dass sich neben Anglern und Familien bald auch Kapitäne größerer Motoryachten für seine Erfindung erwärmen. „Mit nur 34 Kilogramm Gewicht passt mein Boot nicht nur auf jedes Autodach, sondern kann auch hervorragend als Beiboot oder Dinghi für größere Yachten genutzt werden“. Der Verkaufspreis liegt je nach Ausführung zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Verkauft hat der Italiener bisher allerdings noch kein einziges Boot. „Damit sich der Aufwand rechnet, suche ich derzeit nach einem Vertriebshändler, der bei mir mindestens gleich zehn Boote auf einmal bestellt“, sagt Ciganeiro. Bis zu vier Boote pro Monat hofft der Italiener irgendwann in seiner Wohn-Werkstatt in Molinar herstellen zu können. Bis dahin will er mit weiteren nachhaltigen Werkstoffen experimentieren. Für sein Rumpfskelett soll in Zukunft beispielsweise Bambus zum Einsatz kommen. „Das ist noch leichter und strapazierfähiger als herkömmliches Holz“, glaubt Ciganeiro.