Von Ziegen, Mönchen und Piraten…

Felsig, kantig, unwirklich grau erhebt sich Cabrera vor der Südküste Mallorcas aus dem Wasser.  Es scheint fast, als wolle die Insel Besucher förmlich abhalten und so ihre versteckten Schönheiten für sich behalten…

Idyll für Ornithologen und Taucher

Rau geht der Wellengang, der uns auf dem Weg zum Archipel begleitet. Rund 18 Inseln bilden den Nationalpark; Cabrera ist mit einer Fläche von rund 16 Quadratkilometern die größte. Ihren Namen verdankt sie den meckernden Allesfressern: Römer brachten Ziegen („cabras“) auf die Insel; vor denen bald kein Grashalm mehr sicher war. Aber auch in dem geringen Niederschlag, Durchschnittstemperaturen um 18 Grad und dem kräftige Wind liegen die Gründe für eine Strauchlandschaft, die auf den ersten Blick trotz der über 600 verschiedenen Pflanzenarten karg erscheint.

Die letzten Meter in die Bucht hinein lassen erkennen, warum die Ziegeninsel ein Idyll für Ornithologen und Taucher ist. Die Nester von Wildvögeln sind schon mit bloßem Auge erkennbar, und ein Blick in das türkisblaue Meer lassen die einzigartige Unterwasserwelt bereits erahnen.

Für die Schönheiten der Natur hingegen hatten die früheren Bewohner wenig Sinn. Piraten nutzten Cabrera als Anlaufstelle, bis der vermeintlich sichere Ankerplatz durch eine Festung, erbaut Ende des 13. Jahrhunderts durch König von Aragon, vor den Freibeutern beschützt wurde. Diese ist auch heute noch eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Insel; über verschlungene Wanderpfade erreicht man das historische Zeitzeichen ebenso wie ein Denkmal zur Erinnerung an französische Kriegsgefangene und ein Naturkundemuseum.

Geführte Touren

Die Ranger, die neben dem Beamten der Guardia Civil als einzige ihren festen Wohnsitz auf der Insel haben, können neben vielen Informationen zu Geschichte und Naturlandschaft auch manche Kuriosität erzählen. So besiedelten im Lauf der Jahrhunderte auch Mönche den maritimen Archipel. In Auflehnung gegen die kirchliche Obrigkeit, gingen sie hier ihre eigenen Wege – und tanzten zum Schluss ausgelassen nackt am Strand. Dieser wurde auch von Diktator Franco genutzt – als versteckter Umschlagsplatz für Penicillin-Lieferungen an die deutsche Armee…

Ausflüge nach Cabrera werden von Porto Petro sowie von Colonia St. Jordi aus angeboten – hier findet sich auch das offizielle Besucherzentrum mit einmaligen Einblicken in Entstehung, Natur und Artenvielfalt der Insel.