Tradition mit Geschmack

Zugegeben, “Ca’nToni” ist bei Restaurants auf Mallorca ungefähr so häufig zu finden, wie die Namensendung „son“ bei isländischen Fußballspielern. 

Und wem beim Tipp zu einem dieser Tonis nur ein müdes Lächeln über die Mundwinkel zuckt, dem sei gesagt: Spätestens die letzte EM hat gezeigt, dass Vorurteile stets von der Realität eingeholt werden. Wie komme ich nun vom isländischen Fußball zur mallorquinischen Gastronomie? Ganz einfach: Wir landen Treffer.

Fleiß und Passion

Treffer Nummer eins: Gastronom Juan Gutierrez höchstpersönlich, den sie alle nur Toni nennen. Verständlich, denn er führt das Traditionslokal seit mittlerweile über 40 Jahren. „Ca’n Toni“ und Juan, das muss man in einem Atemzug nennen, denn beide sind sie eine Institution in der Altstadt von Palma nahe des Museums Es Baluard. Dass aus der kleinen Bar mit dem langen Tresen irgendwann einmal ein gemütliches Restaurant mit besten mallorquinischen Gerichten werden sollte, daran dachte im Jahre 1955 niemand. Fleiß und die Passion, die Küche Mallorcas salonfähig zu machen, spornten ihn an.

Gaumenfreuden zum Greifen nah

Treffer Nummer zwei: Die Speisenauswahl. Wer bislang behauptete, Rezepte der Insel könnten wenig begeistern, muss bei Ca’n Toni weder in die Karte schauen noch ein Gericht ausprobieren. Auch, wenn er damit zweifellos etwas versäumen würde. Es genügt, das Lokal zu betreten. Und schon befindet man sich inmitten einer Welt herrlicher Gaumenfreuden Mallorcas, die buchstäblich zum Greifen nah sind: Schinken aus Salamanca hängen von der Decke, in einer beleuchteten Kühlvitrine wartet ein frischer Seehecht auf die Zubereitung, ein saftiges Rinderkotelett schlummert unter Zweigen von Rosmarin, und der Käse, eigens aus La Mancha eingeflogen, reift in dünnen Scheiben eingelegt vor sich hin. Jeden Morgen – auch im Sommer – wird der alte Ofen in einem Nebenraum angefeuert. Heute schmoren hier zwei Kaninchen. Vier Stunden, damit das Fleisch besonders zart wird, weiß der Maître. Der Pulpo ist Juans Steckenpferd. Heute Morgen wurde ein mehrere Kilo schwerer Tintenfisch auf den Punkt gekocht. Er wird entweder auf dem Grill mit einem Schuss feinsten Olivenöls zubereitet, oder aber als Pulpo à la Galicia serviert. Den richtigen Garpunkt zu finden, hängt von vielen Faktoren ab, erklärt Juan mit glänzenden Augen. Und kommt praktisch fließend – man beachte die rhetorische Brücke – zur Weinauswahl Das kleine, aber feine Lokal wartet mit insgesamt 60 Weinen auf, viele von der Insel, es sind aber auch ausgewählte Tropfen aus der Rioja-Gegend und aus Portugal mit dabei.

Ca’n Toni ist Treffpunkt von Einheimischen und Urlaubern gleichermaßen. Viele seien mittlerweile Stammgäste, die treuesten Kunden kämen übrigens aus Deutschland, sagt Juan. Das glauben wir ihm jetzt einfach mal.

Ca’n Toni
C/. Santa Creu, 5 – Palma
Tel. 871 716 661
www. cafecantoni.com