Quito/Madrid/Zürich, 11. November 2014: Vergangene Woche beschloss die 11. Vertragsstaatenkonferenz der Bonner Konvention (Abkommen zum Schutz wandernder Tierarten) in Quito/Ecuador, dem Cuvier-Schnabelwal im Mittelmeer den höchsten Schutzstatus zuzusprechen. Diese Entscheidung versetzt Plänen, vor den Balearen nach Öl zu suchen, einen weiteren Schlag. Die Naturschutzgruppen Alianza Mar Blava, NRDC und OceanCare erwarten dementsprechend ein negatives Umweltverträglichkeitsgutachten durch das spanische Umweltministerium.

 

Der Antrag, den Cuvier-Schnabelwal in Anhang I der Bonner Konvention zu listen, wurde vom spanischen Umweltministerium ausgearbeitet, als gemeinsame EU-Initiative eingebracht und letzten Sonntag konsensual angenommen. Grundlage des Antrags waren Empfehlungen wissenschaftlicher Gremien. Der Schutzstatus wird nun bei der Regulierung menschlicher Aktivitäten in essentiellen Lebensräumen der Art zu berücksichtigen sein.

 

Im Oktober 2014 lehnte das spanische Umweltministerium bereits eine Genehmigung für seismische Öl- und Gasexplorationen im Alboran-Meer südlich von Malaga ab. Diese Entscheidung gilt bereits als richtungweisend für die Umweltpolitik im Mittelmeer. Das Umweltverträglichkeitsgutachten stellte fest, dass „Unterwasserlärm den Walen physische Schäden bis hin zum Tod zufügen kann“ und dass der Zusammenhang zwischen Unterwasserlärm und Strandungen beim Cuvier-Schnabelwal bewiesen ist. Dementsprechend kam zu es dem Schluss, dass „das Projekt absehbare negative Auswirkungen auf die Umwelt haben wird und die in der Umweltverträglichkeitserklärung dargelegten Maßnahmen keine ausreichenden Sicherheiten bieten, um die möglichen Folgen dieser Aktivität auszugleichen“.

 

Der Cuvier-Schnabelwal ist eine seltene, tief tauchende Art, die besonders empfindlich gegenüber Unterwasserlärm ist. Zu ihren wichtigsten Lebensräumen im Mittelmeer zählen Gebiete im Alboran-Meer und um die Balearen (Spanien) sowie der Hellenische Graben (Griechenland). Keine Walart ist häufiger von Massenstrandungen betroffen als der Cuvier-Schnabelwal (45,8% aller dokumentierten Fälle, bei denen Tiere nur einer Art strandeten). Von 54 bekannten Massenstrandungen von Cuvier-Schnabelwalen fanden 25 im Mittelmeer statt (106 betroffene Tiere). Dabei war eine signifikante Korrelation zwischen diesen Strandungen und Lärm durch Marineübungen und seismische Untersuchungen festzustellen.

 

„Neben dem Cuvier-Schnabelwal wären 24 weitere Wal- und Delfinarten in den Gewässern der Balearen vom Unterwasserlärm durch seismische Ölexplorationen betroffen. Aus diesem Grund und weil es keine Möglichkeit für Ausgleichsmaßnahmen gibt, kann das Umweltverträglichkeitsgutachten dem Vorhaben der Ölgesellschaft Cairn Energy nur eine Absage erteilen“, zeigt sich Carlos Bravo, Koordinator bei der lokalen Alianza Mar Blava, überzeugt.

Schnabelwal-Unterschutzstellung ist weiterer Schritt gegen Ölsuche vor Balearen
Schnabelwal-Unterschutzstellung ist weiterer Schritt gegen Ölsuche vor Balearen

 

Bei seismischen Untersuchungen werden Schallkanonen („Airguns“) eingesetzt, die Explosionsschall mit bis zu 260 dB zum Meeresboden schicken, und das alle ca. 10 Sekunden über viele Wochen oder sogar Monate. Damit gehören sie zum intensivsten und lautesten Lärm, den Menschen erzeugen, und können über Walarten hinaus starke Auswirkungen auf die Tierwelt der Meere haben.

 

„Die Entscheidung über eine Bewilligung für seismische Explorationen in den Gewässern rund um die Balearen, die auch wichtige Lebensräume des Cuvier-Schnabelwals betreffen würden, wird zur Nagelprobe, wie ernst die Entscheidungsträger den Artenschutz nehmen. Anhand der vorliegenden Entscheidungsgrundlagen sind wir überzeugt, dass das spanische Umweltministerium keine andere Wahl hat, als den Cairn-Antrag und alle folgende Anträge abzulehnen“, bekräftigt Nicolas Entrup im Namen der internationalen Naturschutzorganisationen OceanCare und NRDC.

 

Rückfragehinweis:

 

Weiterführende Informationen:

 

 

 

  • Bild Cuvier-Schnabelwal (Anhang). Bildrecht: Tim Stenton

 

 

OceanCare

OceanCare ist Initiantin der Kampagne „Silent Oceans“ und setzt sich seit 1989 weltweit für die Meeressäuger und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien unternimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. Seit Juli 2011 ist OceanCare von den Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt, sowie seit einigen Jahren offizieller Partner von ACCOBAMS. www.oceancare.org

 

NRDC

NRDC ist eine im Jahr 1970 in den USA gegründete Nicht-Regierungsorganisation, die insbesondere von Anwälten, Wissenschaftlern und Umweltexperten geführt wird und sich dem Ziel des Schutzes der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt widmet. Aktuell hat NRDC ca. 1,3 Millionen aktive Unterstützer, inkl. Online-Aktivisten. Energiewirtschaft, Schutz von Wildtieren, Erhaltung der Ozeane zählen zu den Kernkompetenzen von NRDC. www.nrdc.org

 

Alianza Mar Blava

Die Alianza Mar Blava ist eine sektorübergreifende Allianz mit mehr als 75 Mitgliedern, die das gesamte Spektrum der Akteure von Ibiza und Formentera abdecken. Dazu zählen öffentliche Verwaltungen, Wirtschaftssektoren wie Fischerei, Tourismus und Schifffahrt, sowie soziale Organisationen wie Umweltschützer und Gewerkschaften. Diese vielfältige Struktur verleiht Alianza Mar Blava ein besonders hohes Maß an Repräsentativität und verdeutlicht den großen Widerstand, den die Ölprojekte ausgelöst haben. www.alianzamarblava.org

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