Señor Noguera hat ein Problem

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Er selbst bezeichnet sich als „radikal“. Ein hartes Wort für jemanden, der als Stadtoberster eigentlich diplomatisch, vereinigend und nachhaltig handeln und als Person auftreten sollte. Sich stets der Tatsache bewusst, dass eine Medaille immer zwei Seiten hat und das Aufpolieren der einen nicht automatisch den Glanz der anderen herbeiführt. Antoni Noguera, der amtierende Bürgermeister von Palma de Mallorca, ist da anders. Er hat seine Prinzipien, nach denen er agiert. Seine Überzeugungen, die Kritikern und Opposition gleichermaßen wenig Spielraum für Alternativen bieten.

Störfaktor Tourismus

Nogueras neuester Coup sind seine Ausführungen zum Thema Tourismus. Jenem Wirtschaftszweig, dem die Balearenhauptstadt, ja, die gesamte Insel, vieles, wenn nicht sogar alles, zu verdanken hat: Wohlstand, Einkommen, Arbeitsplätze. Für die einen ist das alles ein Geschenk. Ein Geschenk, das man selbstverständlich in sinnvollen Grenzen steuern muss, aber immer noch ein Geschenk. Für Antoni Noguera hingegen ist der Tourismus in Palma ein Problem, nach seinen Worten übrigens eines der „Hauptprobleme der Stadt“, wie er jüngst gegenüber der spanischen Zeitung „Ultima Hora“ erklärte.

An Realitätsferne kaum zu überbieten

Antoni Noguera erscheint seit Beginn seiner Amtszeit vor fast einem Jahr wie der junge Gerhard Schröder, der am Absperrgitter des Kanzleramts rüttelte, mit dem festen Ziel, irgendwann als Kanzler tätig zu sein. Wie oft und emotional bewegt, getrieben vom festen Willen, irgendwann einmal selbst das Zepter in der Hand zu halten, muss Palmas aktueller Bürgermeister vor dem Rathaus umhergezogen sein, in dem er jetzt regiert und in seiner Rolle als „Bürgerking“ sich selbst noch am Besten gefällt?

Es muss ein erhebendes Gefühl sein, auch mal abstruse Entscheidungen zu treffen, in der Gewissheit, dass niemand widerspricht. Nogueras Aussage „Der Tourismus muss sich der Stadt, und nicht die Stadt dem Tourismus anpassen“ ist an Überheblichkeit, aber auch und gerade an Realitätsferne, kaum zu überbieten. Noch immer schwebt über dem überzeugten Politiker der grün-regionalistischen Partei Més anscheinend das Damoklesschwert der Überfüllung. Und damit sein offenbar immer währender Zwang, dem Feindbild Tourismus die Stirn zu bieten.

Noguera widerspricht sich

Antoni Noguera sieht sich in der Pflicht, die Stadt vor den einfallenden Barbaren aus Europa zu schützen. „Radikal“ und – ein ebenso fatales Wort für Gastfreundlichkeit – „sehr restriktiv“. Die Zonierung – eine Regulierung touristischer Vermietungen – ist dabei die für Noguera wichtigste Maßnahme. Sie solle, so der Bürgermeister, bereits im April, spätestens Mai, umgesetzt werden. Und mit diesem Vorhaben widerspricht sich Noguera selbst.

Denn er, der darauf hofft und propagiert, dass sich der Tourismus der Stadt anpasst, aber niemals die Stadt dem Tourismus, ist es, der zunächst die Stadt ändern muss. Noguera kann nicht anders. Der Tourismus wird bleiben. Aber Urlauber werden auf diese Weise eben keine „effizientere, kreativere, gerechtere und europäischere“ Stadt vorfinden, wie Antoni Noguera seinen Traum beschreibt. Touristen erleben gerade jetzt, wie sich eine Stadt von ihnen abwendet, ihnen teils über Umwege, teils ohne Umschweife vermittelt „Du kommst hier nicht rein!“.

Synonym für Tourismusfeindlichkeit

Der Name Noguera ist zum Synonym für Tourismusfeindlichkeit geworden. Persönliche Diskrepanzen in Sachen PP hin oder her. Palmas Bürgermeister setzt mit seinem Aktionismus nicht nur seine Amtszeit aufs Spiel, sondern gefährdet nachhaltig einen ganzen Wirtschaftszweig. Merke: Ein Bürgermeister ist austauschbar. Für verspieltes Vertrauen von Urlaubern gibt es jedoch keinen Ersatz. (Bild: Ajuntament de Palma)