Tierschutz Mallorca – ein Überblick

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Im Einsatz für Pfoten, Flossen und Flügel auf Mallorca

Der Tierschutz auf Mallorca ist so vielfältig, wie die Tierwelt der Insel. Und es gibt viel zu tun.

Tierschutz auf Mallorca ist mehr, als der Schutz von Haustieren. Die Insel bietet eine einzigartige und bedeutende Fauna. Für deren Schutz und Erhalt ist das Consorcio para la Recuperación de la Fauna de las Islas Baleares, kurz COFIB, verantwortlich. Die Regierungseinrichtung wurde im Jahre 2004 vom balearischen Umweltministerium und der Fundación Natura Parc gegründet. Neben dem Schutz der Wildtiere auf den Balearen koordinieren und verantworten COFIB auch die Rettung seltener Arten sowie exotischer Haustiere, unterstützen europäische Projekte und sind für die Fortbildung und Sensibilisierung von Kindern und Jugendlichen zuständig, erklärt Direktor Lluís Parpal. Die Einrichtung arbeite balearenweit mit Kliniken, Fachzentren und Tierschutzorganisationen zusammen und beschäftige, neben zahlreichen technischen Mitarbeitern, auch eigene Tierärzte.

Spezialklinik für Wildtiere

Das Hauptzentrum der COFIB mit der Spezialklinik befindet sich bei Santa Eugènia. Hier findet man alles, was das tierische Herz im Notfall benötigt: Untersuchungsräume, einen OP und ein Labor. In großen, sichtgeschützten Flugvolieren erholen sich gefundene oder verletzte Habichte, Eulen oder Mönchsgeier. In einer anderen Abteilung befinden sich Reptilien, wie Pythons und sogar eine Kobra. Sie kamen ihren Besitzern abhanden und wurden irgendwo aufgefunden. Es sei unwahrscheinlich, dass sie von ihren Besitzern abgeholt würden, so Lluís Parpal. Denn häufig wurden sie ohne entsprechende Papiere, die so genannten CITES, gehalten. Die Tiere werden an Zoos und Tierparks vermittelt.

Schutz für Meerestiere

Ein mit COFIB kooperierendes Fachzentrum ist das Palma Aquarium. Seit fast einem Jahr ist die Einrichtung an der Playa de Palma mit ihrer eigenen Fachklinik und einem Team von Experten für die Rettung von Schildkröten, Delfinen und Walen auf den Balearen zuständig.
In einem der Becken dreht eine Meeresschildkröte ihre Runden. „Sie wurde Anfang Februar von einem Spaziergänger am Strand von Colònia de Sant Jordi gefunden“, erklärt die Direktorin der Einrichtung Debora Morrison. Tierärzte stellten bei ihr eine Lungenentzündung fest. Die Behandlung sei erfolgreich gewesen, im Frühjahr werde das Tier wieder in die Freiheit entlassen, so Morrison.

Eine der wichtigsten Aufgaben der Einrichtung ist die Zusammenarbeit mit Fischern und die damit verbundene Aufklärungsarbeit. Landet beispielweise eine Meeresschildkröte im Netz, wird diese mit in den Hafen genommen und gleichzeitig das Rettungsteam alarmiert. In sieben Häfen auf Mallorca stehen mittlerweile spezielle Boxen bereit, in denen die Tiere sicher transportiert werden können.
„Früher haben die fischer die Tiere wieder ins Meer geworfen, da es verboten war, geschützte Arten an Bord zu haben“, sagt Debora Morrison. Heute habe jeder Fischer ein Dokument der Regierung an Bord, das den Transport erlaubt und die Untersuchung des möglicherweise verletzten Tieres in der Fachklinik ermöglicht.

Fundación Natura Parc

Engagiert im Tierschutz ist seit vielen Jahren auch die Fundación Natura Parc mit ihren zahlreichen Fachabteilungen. Zu diesen gehören, neben dem Zoo und dem Zuchtzentrum für den Milan, auch die CEPAD, die ausgesetzte oder ausgerissene Tiere, in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, aufsammelt, behandelt und versucht, an ihre Besitzer zurückzugeben. Insgesamt fünf Tierärzte und ein Team von technischen Mitarbeitern und Biologen arbeitet im Zentrum von Santa Eugènia.

BALDEA klärt auf und unterstützt

Als eine Art Dachverband und Sprachrohr der Tierschutzvereine auf den Balearen versteht sich die Organisation BALDEA. die Hauptaufgabe des Vereins besteht, nach eigenen Angaben, vor allem darin, eine Bewusstseinveränderung bei Behörden und der Bevölkerung zu bewirken und großangelegte Sterilisations- und Kastrationskampagnen auf den Weg zu bringen. Ein eigenes Mobil ist seit mittlerweile zwei Jahren regelmäßig auf Mallorca unterwegs. BALDEA angeschlossen sind aktuell acht Vereine. Zudem bestehen Abkommen mit 14 Gemeinden der Insel.

Schwarze Schafe

Die Vielzahl der Tierschutzvereine auf der Insel lässt fragen, ob es eine übergeordnete Kontrollstelle gibt. „Leider nein“, sagt Lluís Parpal, und fügt an: „Allerdings benötigt jeder, der offiziell im Tierschutz, beispielsweise als Perrera arbeiten möchte, eine entsprechende Genehmigung.“ Es gebe aber viele Einrichtungen, die ihre Arbeit inoffiziell durchführten, so Parpal weiter.
Bedenklich sei, dass der Tierschutz bei einigen bereits zu einem einträglichen Geschäft geworden sei, so der COFIB-direktor und Veterinär. „Sehen sie, in den öffentlichen Einrichtungen können sie ein Tier für 30, 40 Euro bekommen, gechippt, geimpft und mit europäischem Impfpass.“ Vermittelt würden die Vierbeiner dann für mehrere hundert Euro nach Deutschland, inklusive Flugmitnahme. Ihm seien Fälle bekannt, in denen Tierschützer per Transporter zu den Perreras kamen und Tiere abholten. Ähnlich argumentiert auch Stefan Track von „Rocking Son“, der sich, gemeinsam mit seinem Partner Marichal Navarro, neben Restaurant und musikalischen Auftritten, für den Tierschutz auf der Insel engagiert. Er habe noch nie so viele schwarze Schafe im Tierschutz erlebt, wie hier auf Mallorca. Er kenne Leute, die durch ihre Vermittlungsarbeit ihren Lebensunterhalt bestritten. „Selbstverständlich kosten die Aufnahme und Verpflegung eines Tieres zur späteren Vermittlung Geld.“ Doch die Ausgaben und Einnahmen stünden in den bewussten Fällen in keiner Relation, so Track weiter. Daher lohne es sich, bei Vereinen auch immer einen Blick auf die Spendenkonten und den dortigen Empfänger zu werfen.