Tourismus auf Mallorca: Die Show ist vorbei

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Vom Tourismus abhängige Unternehmen auf Mallorca schlagen mal wieder Alarm. Sie sehen ein schwarzes Jahr auf sich zukommen. Erst die Pleiten der Fluggesellschaften Small Planet und Germania, dann der drohende Verkauf der Thomas Cook Airlines, unter anderem Condor. Jetzt dünnen Reiseveranstalter – allen voran H&S Touristik – ihre Aktivitäten aus. Zu allem Überfluss erstarken andere Urlaubsdestinationen, wie Ägypten, Griechenland oder die Türkei. Ziele, die man auf den Balearen hochmütig abgeschrieben und auf lange Sicht als „chancenlos“ eingestuft hatte.

Angriff auf Heiligtum

Mallorca und die Nachbarinseln wähnten sich lange Zeit in einer feudalen Situation: Man konnte sich über mangelnde Nachfrage in Sachen Buchungen nicht beklagen. Urlauber kamen, ohne dass man sich großartig anstrengen musste. Jahr für Jahr wurde seitens der Hotellerie und der Flughafenverwaltung unter „Rekord“ abgeheftet. Guinness hätte seine Freude gehabt. Das alles gab Anlass zu Zufriedenheit. Doch all das ist verführerisch. Denn wo Geld schon mal fließt, ist der Reiz groß, noch mehr Geld anzuzapfen. Oder regulierend eingreifen zu müssen.

Die Tourismusbranche ist ein Chamäleon. Sie verändert sich schneller, als ein Bett für den nächsten Gast bezogen ist. König Kunde ist sein Urlaub heilig. Ganz gleich, ob er (oder sie) aus Deutschland, Großbritannien oder Skandinavien kommt. Heiligtümer gilt es, zu schützen. Niemand lässt zu, dass am persönlichen, jährlichen Highlight in irgendeiner Weise negativ geschraubt wird.

Vertrautheit verloren

Eine Urlaubsdestination muss zunächst einmal liefern. Sie muss ihr höchstes Gut, den Gast, auf Händen tragen, ihn mit immer wieder neuen Angeboten überraschen. Restriktionen, Auflagen, Veränderungen, die den Urlauber belasten, wird dieser stets mit Ablehnung quittieren.

Mallorca, die Balearen, haben viel von ihrer touristischen Vertrautheit verloren, das Haben auf dem Zufriedenheitskonto regelrecht verspielt. Sie haben ein funktionierendes, wirtschaftlich so wichtiges Konzept vor dem Hintergrund parteipolitischer Spielereien in den tiefen Sand gesetzt. Man hat sich festgefahren. Ein starkes Gefährt, das den Karren aus dem Dreck zieht, ist nicht in Sicht.

Urlauber hat die Wahl

Jetzt den Airlines die Schuld zu geben, ist ein weiteres Indiz dafür, die eigentlichen Ursachen der Misere noch längst nicht verstanden zu haben. Fluggesellschaften reagieren auf Nachfrage. Sie sind Transportmittel – nicht mehr, und nicht weniger. Sie bringen lediglich den Gast zur Show. Wenn diese langweilt, wenig unterhaltsam ist oder gar der Vorhang zu bleibt, sucht er sich ein neues Event. Das Transportmittel bleibt stehen. Der Urlauber hat immer die Wahl. Die Balearen haben sie spätestens im Mai. (Bild: pixabay.com)