Gut ausgebaut, verschlungen und Punkt für herrliche Aussichten

Wer die Serra de Tramuntana gerne hautnah kennenlernen möchte, kommt an der “Ruta de la pedra en sec”, der Trockenmauerroute, buchstäblich nicht vorbei. Kein anderer Wanderweg bietet derart vielfältige Möglichkeiten, Natur und Kultur Mallorcas kennenzulernen und zu erleben.

Der international als GR-221 bekannte Weg führt auf mittlerweile 300 Kilometern von Port d‘Andratx im Westen bis zur Nordspitze der Insel bei Cap de Formentor. Die Strecke zieht sich in Abschnitten entlang der Küste oder geht hinauf ins Bergland. Gut ausgebaute Wege, verschlungene Pfade, und immer wieder ein Punkt für herrliche Aussichten oder verborgene Entdeckungen – das alles bietet die Trockenmauerroute in einer einmaligen Kombination.

Inselrat schafft Voraussetzungen

Bis vor Kurzem war die Ruta de la pedra en sec nicht auf ihrer vollständigen Länge zu erwandern. Verschiedene Etappen waren einfach noch nicht freigegeben oder beschildert. Zum einen lag das am fehlenden Ausbau oder den schlechten Eigenschaften der Routen. Zum anderen gab es Probleme mit den Eigentümern mehrerer Fincas. Diese wollten einzelne Passagen nicht freigeben, weil sie zu viele Wanderer und dadurch bedingte Schäden an der Natur befürchteten. Das hat sich seit Februar 2015 geändert. Der Inselrat hat ein Abkommen mit den Fincabesitzern geschlossen, die nun ihre Pforten geöffnet haben.

Von Pont Romà zum Kap

Eine der großartigsten neuen Abschnitte der Trockenmauerroute ist ohne Zweifel die Etappe zwischen der Herberge Pont Romà in Pollença und dem Cap de Formentor. Bislang endete der Weg an diesem Refugium. Jetzt können Wanderer einen beindruckenden weiteren und damit letzten Streckenabschnitt in Angriff nehmen. Wer nicht bereits zu Fuß über die Ruta de la pedra en sec aus Lluc oder der Herberge Son Amer am Refugium Pont Romà angekommen ist, kann es bequem mit dem Auto erreichen. Die Herberge bietet neben 38 Schlafplätzen auch ein gastronomisches Angebot mit köstlichen, mallorquinischen Spezialitäten. Es bietet sich zudem ein herrlicher Blick auf die Serra de Tramuntana und den Torrent de Sant Jordi.

Meer und noch mehr Berge

Der Weg führt von der Herberge bei Pollença zunächst nach Port de Pollença. Nach diesen ersten rund drei Kilometern lohnt sich eine Pause am Hafen des Ortes bei einem gemütlichen Kaffee oder einem zünftigen Pan amb Oli.
Frisch gestärkt geht es weiter, diesmal allerdings hoch hinaus in die Berge. Der Mirador del Mal Pas, oder auch Mirador des Colomer, gehört zu den faszinierendsten Aussichtspunkten der Halbinsel Formentor. Während in rund 300 Metern Tiefe das Meer gegen die Felsen brandet, kann man bei gutem Wetter bis Menorca, Cala Figuera und Alcúdia schauen. Die kleine, Formentor vorgelagerte Insel, die an die Spitze eines Zuckerhuts erinnert, ist Colomer. Das nördliche Ende der Insel Mallorca ist wahrhaft einzigartig: Wind und Wasser haben an der Halbinsel eine faszinierende und bizarre Steilküste geschaffen, mit steilen Klippen, atemberaubenden Aussichten und beeindruckenden Bergformationen.

Die Trockenmauerroute führt entlang einer ganzen Reihe von Gebieten und Aussichtspunkten, zahlreichen Buchten und, nicht zu vergessen, schließlich zum Ende Kap de Formentor mit dem bekannten Leuchtturm. Die Mallorquiner nennen Formentor auch “Treffpunkt der Winde”. Wem bei seinem Besuch schon einmal ein raues Lüftchen um die Nase wehte, wird wissen, warum. Hier gaben und geben sich die Winde ein Stelldichein, treffen die vier großen Brüder “Tramuntana”, “Ponent”, “Migjorn” und “Llevant” aufeinander, und verbünden sich mit ihren kleineren Cousins “Gregal”, “Mestral”, “Llebetx” und “Xaloc”.
Die Sehenswürdigkeiten und die Infrastruktur Formentors haben eine lange und bewegte Geschichte, die sich auf dieser letzten, nördlichen Etappe der Trockenmauerroute nunmehr auch erwandern lassen.